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Prof. Dr. Greg Yudin ist Professor für Politische Philosophie an der Moskauer Schule für Sozialwissenschaften und Ökonomie sowie leitender Forscher am Laboratorium für sozio-ökonomische Studien an der Hochschule für Ökonomie in Moskau. An der Hertie School of Governance in Berlin hielt Yudin im März 2018 bei der Podiumsdiskussion “Discourse of Values between Russia and Germany: What Went Astray?” den Eröffnungsvortrag zum Thema Dangerous Values and the Trap of Discourse of Values. Am Bard College im Bundesstaat New York präsentierte er im Februar 2016 sein jüngstes Forschungsprojekt Governing Through Polls: Putin’s Support and Political Representation in Russia im Rahmen der Tagung “How to be Authoritarian?” Zu seinen weiteren Interessensgebieten zählen politische und ökonomische Anthropologie sowie die Philosophie der Human- und Sozialwissenschaften. Aktuell erwirbt Yudin seinen zweiten Doktortitel in Politik an der New

School for Social Research in New York. Er ist Mitherausgeber einer Sonderausgabe der Zeitschrift The Public über Öffentlichkeit in Russland.



Populismus: linke Theorie und rechte Strategie?

Gewöhnlich wird das Konzept des Populismus verwendet, um den allgegenwärtigen Aufstieg der

Rechten im 21. Jahrhundert zu erklären. Verwendet wird der Begriff in der breiten Literatur um spöttisch einen Politikstil zu kennzeichnen, der auf politischem Betrug, Verantwortungslosigkeit und dem Ausnutzen von Verletzlichkeiten einer liberalen Demokratie basiert. Abgesehen von dieser negativen und abwertenden Bedeutung wurde Populismus seit Jahrzehnten aber auch auf positive Weise als eine gewisse politische Logik in Krisenzeiten von Demokratie und Repräsentation analysiert, die sich die Ideen von Hegemonie und Gelegenheit zunutze macht. Obgleich es vor fünfzig Jahren die Linke war, die diese produktive Erzählung des Populismus entwickelte, wird diese nun von den Rechten instrumentalisiert und in eine funktionierende politische Strategie verwandelt. Warum nutzt die Linke diese Strategie nicht für ihre Zwecke, sondern erlaubt der Rechten die Nutzung dieser Strategie aus dem linken Handbuch? Falls die populistische Diagnose von der Sackgasse der liberalen Demokratie korrekt ist, gibt es trotzdem noch einen Spielraum für einen linken Populismus im 21. Jahrhundert?